Entwurf der Kurienreform veröffentlicht

Mehr Laien in Leitungsorganen, Relativierung der Glaubenskongregation und eine Stärkung von Verkündigung und caritativen Elementen der Kirche: Das sind die zentralen Änderungen der Kurienreform. Das US-amerikanische Portal «National Catholic Register» veröffentlichte am Mittwoch Auszüge aus dem Entwurf, der derzeit den katholischen Bischofskonferenzen weltweit zur Stellungnahme zugesandt ist. Auffallend: Die seit Jahrhunderten bestehende herausgehobene Stellung der einstigen Inquisitionsbehörde wird relativiert. Künftig werde die «Römische Glaubenskongregation» «Dikasterium für die Glaubenslehre» benannt. Ihr vorangestellt wird ein «Dikasterium für die Evangelisierung», das die Verkündigung der christlichen Botschaft in allen Teilen der Erde fördern soll.

Missbrauch: Papst führt Anzeigepflicht ein

Papst Franziskus hat die Kirchenrechtsnormen im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch durch Geistliche drastisch verschärft. Ein derartiger Schritt war unter anderem von Opferverbänden, Politikern und zahlreichen Bischöfen der Weltkirche gefordert worden. Neu müssen kirchliche Stellen die staatlichen Strafermittler in ihrer Arbeit unterstützen. Zudem müssen alle Diözesen bis spätestens Juni 2020 ein leicht zugängliches Meldesystem für Anzeigen einrichten. Die Ankündigungen des Papstes wurden begrüsst, aber auch kritisiert. «Ein Zeichen, dass man mit den Bemühungen in der Schweiz auf dem richtigen Weg sei», erklärte beispielsweise Toni Brühlmann, Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld». Nicht zufrieden ist Jacques Nuoffer, der Vertreter der Westschweizer Organisation Sapec, die Opfer von Missbrauch in kirchlichem Kontext unterstützt. Jacques Nuoffer stört, dass das Beichtgeheimnis bestehen bleibt. Das schliesse eine Anzeige eines auf diesem Wege bekannt gewordenen Missbrauchs aus.

Diakonat der Frau kommt nicht so bald

Zu einem möglichen Diakonat der Frau in der katholischen Kirche gibt es nach den Worten von Papst Franziskus in absehbarer Zeit keine Entscheidung. Man habe keine Gewissheit darüber, «ob dies eine Ordination mit derselben Form und Finalität war wie bei der von Männern», so Papst Franziskus in einer öffentlichen Stellungnahme. Einige bejahten dies, so Franziskus. Andere wiederum verstünden die frühere Beauftragung von Frauen zum Diakonat eher so wie heute die Segnung einer Äbtissin. Für eine Entscheidung bedürfe es weiterer Arbeit und Überlegungen.

Rom: Vereidigung neuer Gardisten

Heute Montag werden in Rom 23 neue Schweizer Gardisten vereidigt. Dies im Beisein von Bundesrat Iganzio Cassis. Der Dienst für den Heiligen Vater in Rom büsst jedoch zunehmend an Beliebtheit ein: Waren vor zwei Jahren noch 40 Rekruten vereidigt worden, stellten sich im vergangenen Jahr noch 32 junge Männer dem Dienst im Vatikan. Papst Franziskus, der die Vorschriften für die Truppe bereits gelockert hat, stattete seinen Soldaten am Samstag eigens einen Besuch ab und lobte den Soldatendienst in der päpstlichen Garde als Schule der Toleranz. Der Kasernenalltag lehre Werte wie Dialog und Treue, aber auch «Respekt vor den Eigenheiten und Vorstellungen anderer», sagte er bei dem Treffen mit Gardisten .

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Kaserne der Schweizergarde

Doris Leuthards Charisma für die neue Kaserne

Der Neubau der Kaserne der Schweizergarde im Vatikan kostet 55 Millionen. Die ehemalige Bundesrätin Doris Leuthard wird sich künftig für die Mittelbeschaffung einsetzen. Gemäss einer Meldung von cath.ch wird die ehemalige Bundesrätin ein Patronatskomitee für den Wiederaufbau der Kaserne der päpstlichen Schweizergarde im Vatikan leiten. Dies geht laut cath.ch aus einer Meldung des Nachrichtenportals tio.ch hervor. Eine einfache Renovation ist laut früheren Medienberichten nicht möglich. Das Tessiner Architekturbüro Durisch+Nolli wurde mit einem Vorprojekt für den Neubau beauftragt. Die Einweihung des neuen Gebäudes soll 2023 erfolgen. Die Stiftung für die Renovation der Kaserne hofft gemäss der Meldung von cath.ch, dass die Mittelbeschaffung «vom Charisma und der Dynamik der Ende 2018 aus dem Bund ausgeschiedenen Doris Leuthard profitieren wird». 

Jugendsynode: «Christus vivit»

Am 24. März 2019 veröffentlichte Papst Franziskus das erwartete nachsynodale apostolische Schreiben zur Jugendsynode (3. bis 28. Oktober 2018). Christus vivit heisst das 299 Abschnitt lange Dokument. Im Interview mit kath.ch zeigt sich Jugendbischof und Synodenteilnehmer Alain de Reamy überzeugt, dass das Schreiben Wirkung entfalten werde. Er begründet das damit, dass « Reflexion des Papstes [auf den] Grundlagen des Glaubens [basiert]: Was ist Berufung? (…) Diese Überlegungen können auf alle Gläubigen angewendet werden. Der Text bleibt allgemein, ohne ins Oberflächliche zu fallen». Für die Schweiz unterstützt Alain de Raemy die Idee eines Jugendrates für junge und vor allem von jungen Menschen.

«Papst Franziskus will einen Umbruch»

  • Der italienische Vatikan-Journalist Marco Politi hat Bücher über die letzten drei Päpste verfasst – auch über Papst Franziskus. Im Gespräch mit Martin Spilker merkt der Buchautor an, dass sich Papst Franziskus zwar eine Veränderung wünscht, ihm aber von Seiten seiner Umgebung ein kalter Wind ins Gesicht bläst. Marco Politi spricht gar von «Delegitimationsanstrengungen».
  • Dass nicht-zölibatäre Priester zugelassen werden sollen, werde laut Marco Politi im Vatikan durchaus diskutiert. In Anbetracht der öffentlich gewordenen Missbrauchsfälle erhalte dieser Umstand jedoch viel zu wenig Aufmerksamkeit.

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«Wir müssen die Machtfrage stellen»

  • Die Machtstrukturen und die Entscheidungsstrukturen in der Kirche müssten angesichts des Missbrauchsskandals besser angeschaut werden, so der Basler Bischof Felix Gmür, im Interview.
  • Als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) vertrat er die Schweiz am Anti-Missbrauchsgipfel in Rom, der vom 21. bis 24. Februar dauerte.

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