Ausflugstipps für Kunstinteressierte und Ruhesuchende

  • Ein kleines Museum, verborgen im Kirchturm, oder eine Felsgrotte in einem alten Römersteinbruch: Der Aargau bietet versteckte Orte, die überraschende Entdeckungen versprechen.
  • Sechs Ausflugstipps am Schatten oder «am Schäärme» für Kunst- und Kircheninteressierte oder Menschen, die Ruhe und Kraft tanken wollen.

Museum Gnadenthal

Idyllisch am Ufer der Reuss bei Niederwil liegt das Kloster Gnadenthal, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster. Die denkmalgeschützte Anlage ist Teil des Areals des Reussparks, Zentrum für Pflege und Betreuung. Seit drei Jahren dokumentiert das «Museum Gnadenthal» auf unterhaltsame Weise sowohl die Klostergeschichte als auch die über hundertjährige Pflegegeschichte des Ortes an der Reuss. Bereits um das Jahr 1250 herum liess sich eine Gemeinschaft religiöser Frauen am Ufer der Reuss nieder und nannte den Ort «vallis gratiarum», Tal der Gnaden. Später wurde die Gemeinschaft in den Zisterzienserorden aufgenommen. Das Kloster durchlebte schwierige Phasen wegen Pest, Brandkatastrophen und Finanznöten. Es genoss aber auch Blütezeiten dank Wallfahrt und Kunsthandwerk. Im ehemaligen Refektorium gelangen Besucher in die Schatzkammer des Museums. Die in Vitrinen präsentierten religiösen Objekte aus dem ehemaligen Kloster zeigen, mit wie viel Sorgfalt, Kreativität und Sachverstand die Zisterzienserinnen neben dem Beten und Lesen auch den Grundsatz der ­Arbeit beherzigt haben. Der Museumsraum ist 1× im Monat von 13.00 bis17.00 Uhr geöffnet: 14. Juli / 11. August / 7. September / 19. Oktober / 22. November / 6. Dezember 2024. Die Angebote «Auftakt im Entenhaus» und der Audiospaziergang sind kostenlos und täglich frei zugänglich. Auf Anfrage kann das Museum für Interessierte geöffnet werden. Kontakt:

Kirchenschatzmuseum Baden

Eine künstlerisch bedeutende Goldschmiedearbeit präsentiert die spätgotische ​Turmmonstranz von 1477. Sie soll aus eingeschmolzenem «Burgundersilber» ​hergestellt worden sein, welches die Eid genossen im Kampf gegen Karl den Kühnen ​bei Grandson erbeutet hatten. | Foto: Marie-Christine Andres

Viele Kirchen besitzen einen Kirchenschatz – meist versteckt in einem gut verschlossenen Schrank, zu dem kaum jemand Zugang hat. Das im Frühling 2022 wiedereröffnete Kirchenschatzmuseum in der Stad

tkirche Baden wählt einen anderen Weg: Es bettet die kirchlichen Kult- und Kunstgegenstände in den historischen Kontext ein, verknüpft die Gegenstände mit Geschichten und macht ihren Wert damit nachvollziehbar. So publikumsnah wird ein Kirchenschatz selten präsentiert.

Der Kirchenschatz der Stadtkirche Baden geniesst eine überregionale Ausstrahlung. «Wenn man die Geschichte der Stadt Baden erzählen will, gehört der audiovisuelle Prolog zur Ausstellung verflicht die Trouvaillen des Kirchenschatzes gekonnt mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen der letzten Jahrhunderte. Das Kirchenschatzmuseum Baden rückt seine Schmuckstücke mutig ins beste Licht und begeistert damit die Besucher.

Geöffnet ist das Museum im Rahmen der ­monatlich stattfindenden, öffentlichen Führungen. Die nächsten Termine sind: Samstag, 27. Juli, 10.30 Uhr / Mittwoch, 21. August, 11 Uhr / Freitag, 27. September, 11 Uhr / Donnerstag, 25. Oktober, 18 Uhr / Samstag, 30. November, 10.30 Uhr. Das Museum steht auf Anfrage gerne auch für individuelle Rundgänge zur Verfügung. Kontakt:

Schweizerisches Ikonenmuseum in Lenzburg

Eine Ikone von 1651/52, geschaffen nach dem Vorbild der so genannten «Gottesmutter von Vladimir». | Foto: Marie-Christine Andres

2002 wurde das Ikonenmuseum im Untergeschoss des Museums Burghalde eröffnet. Seither wurde das Ausstellungskonzept um ein kleines Kino und ein Malatelier erweitert, die beide zeigen, wie die farbintensiven Bilder entstehen. Das Ikonenmuseum in Lenzburg gilt, da in seiner Art einmalig, gleichzeitig als «Ikonenmuseum Schweiz». Bilder von Christus, seinen Lebens- und Passionsszenen, verschiedene Darstellungstypen der Gottesmutter und Heiligenikonen bieten ein breites Themen­spektrum der ostkirchlichen Kunst. Wechselnde Pop-up- und Begleitausstellungen bringen die jahrhundertealten Heiligenbilder in Verbindung mit zeitgenössischer Kunst. So belebt das Museum die Sammlung immer wieder neu und macht den Zugang zu den orthodoxen Ikonen überraschend leicht. Die aktuelle Begleitausstellung zeigt Leihgaben privater Sammlungen von Trouvaillen aus dem äthiopischen und koptischen Kulturraum. Die Kunstwerke geben Einblick in das Leben der ­Christen am Nil.

Das Ikonenmuseum ist geöffnet von Dienstag bis Samstag, 14 bis 17 Uhr, und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Am 12. Juli und am 1. August ist das Museum geschlossen. Anfragen für Sonderöffnungen, Gruppenbesuche und Führungen:

 

Wallfahrtskapelle Jonental

Die «Jonentaler Weihnacht» feiern die Katholiken aus Jonental am 26. Dezember in ihrer Kapelle. Hochzeiten finden nicht mehr so oft statt wie früher, doch für Taufen ist die Kapelle nach wie vor beliebt. | Foto: Roger Wehrli

Die idyllisch gelegene Kapelle am Ufer des ­Jonenbachs gehört zu den wichtigsten Marienwallfahrtsorten im Aargau. Eine Marienerscheinung führte zum Bau der Kapelle. Im Traum soll Maria einem jungen Ziegenhirten erschienen sein und ihm zu verstehen gegeben haben, dass sie künftig an dieser Stelle verehrt werden möchte. Die Ursprünge der Kapelle liegen im 14. Jahrhundert, der heute noch existierende Bau entstand im 18. Jahrhundert. Im Hauptaltar befindet sich ein Gnadenbild der Muttergottes von 1530. Früher vertrauten sich hier vor allem Mütter «in Kindsnöten, wenn alle natürlichen Mittel nichts helfen wollten», der Mutter Gottes an. Ledige baten um einen guten Ehepartner. Auch heute liegen Dank- und Bittbücher auf, in die ie Ihre Bitten und Ihren Dank schreiben dürfen. Beliebt ist die Kapelle auch bei Hochzeitspaaren. Allerdings müssen Braut und Bräutigam und ihre Gäste zu Fuss zur Kapelle gelangen. Selbst Pfardekutschen sind nicht erlaubt.

Eine Rundwanderung ausgehend von Jonen dauert etwa eineinhalb Stunden. Sie führt vorbei an der Wallfahrtskapelle ­vorbei, am Jonenbach und kleinen Biotopen entlang durch ein wunderschönes Tobel. Nach einem Stück auf dem Freiämterweg, geht es zurück zur Kapelle.

 

Felsgrotte Emma Kunz

Die Emma Kunz-Grotte befindet sich im alten Römersteinbruch von Würenlos. | Foto: Marie-Christine Andres

Die Geobiologie benutzt den Begriff «Kraftort» für Punkte und Zonen mit erhöhter natürlicher Energie. Weil in der Geobiologie die uns ­bekannten wissenschaftlichen Methoden an ihre Grenzen stossen, wird sie als «Grenzwissenschaft» oder Erfahrungswissenschaft bezeichnet. Die waadtländische Bauingenieurin und Geobiologin Blanche Merz leistete Pionierarbeit bei der Erforschung von Kraftorten. In ihrem Werk «Orte der Kraft in der Schweiz» aus dem Jahr 1998 schreibt sie: «Diese Energie, die sich nicht nur fühlen, sondern auch messen lässt, hat sich der Mensch zu allen Zeiten nutzbar gemacht.» Gemessen wird die Energie ­eines Ortes bis heute mit dem Biometer, einer Scheibe mit einer Messskala, die Energiezustände des Menschen aufnimmt und sichtbar macht. Die Energie wird in Boviseinheiten gemessen. Als Anzeige für die Boviseinheiten dient ein Pendel, das über der Scheibe schwingt.

Die Felsgrotte im Emma Kunz-Zentrum wird zu den Schweizer Kraftorten gezählt. Die Naturheilärztin, Emma Kunz (18920 – 1963), hat die Grotte regelmässig aufgesucht, um dort «ihre Batterien aufzuladen». Wer diese Energien selbst nicht spürt, geniesst die angenehme Kühle der Grotte an einem heissen Sommertag. Ausserdem hat Emma Kunz ein reiches künstlerisches Werk hinterlassen, dass sich im angrenzenden Museum anzuschauen sehr lohnt.

 

Kapelle auf dem Buschberg

Ein laues Lüftchen weht durch die halboffene Kapelle, die Abendsonne schickt goldgelbes Licht. Dazu Vogelgezwitscher aus den vier Linden. Die naturnahe Atmosphäre schafft unmittelbar Bezug zur Schöpfung. | © Fabrice Müller

Seit Jahrhunderten bereits ist der Buschberg oberhalb von Wittnau ein beliebter Wallfahrtsort. Die Sage berichtet vom Müller Benedikt Martin, der die Herrschaft über sein Fuhrwerk verlor und wie durch ein Wunder gerettet wurde. Als Dank errichtete er 1668 auf dem Buschberg ein hölzernes Kreuz. 200 Jahre später wurde an seiner Stelle eine Kapelle erbaut. Auch der Buschberg ist als Kraftort mit besonderer Ausstrahlung bekannt.

Am Sonntag, 4. August findet in der Buschbergkapelle um 18 Uhr ein Abendgebet statt. Wer Zeit hat und ein bisschen Kondition, könnte nach dem Mittagessen in Frick auf dem Juraweg loswandern und die Ruine Tierstein besichtigen. Auf dem Wittnauer Horn sind ausserdem die Spuren eines spätrömischen Refugiums zu sehen – ein Schutzwall der einstigen Siedlung.