Zahl der antisemitischen Vorfälle hat im Jahr 2022 zugenommen

 

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund SIG und die GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus hat den Antisemitismusbericht 2022 veröffentlicht. In einer Medienmitteilung schreiben die beiden Organisationen, die Zahl der erfassten antisemitischen Vorfälle habe auch 2022 zugenommen. Die Zunahme ist sowohl in der realen Welt wie auch online ersichtlich. Hauptverantwortlich für einen Grossteil der Vorfälle online ist eine neue staats- und gesellschaftsfeindliche Subkultur, die sich in der Schweiz seit Beginn der Coronapandemie vor drei Jahren gebildet hat.  Die Erhebungen des Antisemitismusberichts zeigen, dass diese Subkultur und ihre Telegramgruppen mittlerweile 75 Prozent aller Onlinevorfälle verursachen. Sie ist damit hauptverantwortlich dafür, dass auch 2022 eine Steigerung bei den antisemitischen Vorfällen in der deutsch-, der italienisch- und der rätoromanischsprachigen Schweiz verzeichnet werden muss. Im Onlinebereich ist eine erneute Zunahme antisemitischer Vorfälle um rund 6 Prozent auf 853 Vorfälle (2021: 806) zu verzeichnen. Neu und bemerkenswert ist die Entwicklung bei den sogenannten «Triggern», die direkt oder indirekt antisemitische Vorfälle auslösen. 2022 wurden zwei langfristige Trigger «Corona» und «Ukrainekrieg» identifiziert. 

Die Erkenntnisse dieses Berichts machen die entscheidende Bedeutung des Antisemitismusmonitorings deutlich. Der Bund solle vermehrt die verschiedenen bestehenden Beobachtungs- und Analyseinstrumente von NGOs und Verbänden unterstützen und hier Mitverantwortung übernehmen, schreiben die beiden Organisationen in der Mitteilung. Der Bund solle auch rechtliche Mittel zur Erfassung und Beschränkung von Hassrede prüfen. Die Politik müsse ausserdem auf die Social-Media-Plattformen einwirken, die Verbreitung solcher Hassbotschaften zu unterbinden, insbesondere Telegram. Ganz generell brauche es eine nationale Strategie gegen Antisemitismus, die entsprechende Analyse-, Präventions- und Sanktionsinstrumente enthalte. Dazu gehöre auch das aktuell im Parlament behandelte Verbot von Nazisymbolen, das rasch umgesetzt werden müsse.