- Erdogan Zamur ist aus der Türkei in die Schweiz geflohen.
- In seinem Artikel schreibt er, was ihm und anderen Migrantinnen und Migranten das Projekt Refugium des Netzwerks Asyl Aargau bedeutet.
- An den Flüchtlingstagen Aargau, die am 22. Juni noch stattfinden, haben Interessierte die Gelegenheit, mit Geflüchteten in Kontakt zu kommen und von ihrem Leben zu erfahren.
Manchmal passieren gute Dinge durch Menschen, die sich für uns Migrantinnen und Migranten engagieren. Dafür bin ich sehr dankbar und davon möchte ich Ihnen erzählen. Als kurdischer Journalist bin ich aus politischen Gründen in die Schweiz gekommen. Es ist nicht einfach, die vielen Gefahren auf den Migrationsrouten zu überstehen und am Leben zu bleiben. Besonders die zunehmende ausländerfeindliche Stimmung macht das Leben für geflüchtete Menschen in letzter Zeit unerträglich. Darum ist für uns Migrantinnen und Migranten ein lächelndes Gesicht besonders bedeutungsvoll. Ein solches Gesicht haben meine Frau und ich im Refugium des Netzwerks Asyl Aargau getroffen. Dort engagiert sich Jessica Volmar für das Refugium, wo am Montag Migrantinnen und Migranten in einem Container auf der Brache auf dem Aargauer Torfeld zusammenkommen, Deutsch lernen und versuchen, gemeinsam Lösungen für ihre Probleme zu finden.
Ein Ort zum Ankommen
Für meine Frau, Saime Zamur, ist das Refugium viel mehr als ein Ort zum Sprachenlernen. Als politischer Geflüchteter hat ihr das Refugium geholfen, sich zu integrieren. Sie lebt seit drei Jahren in der Schweiz und arbeitet derzeit in einem Altenpflegeheim. «Als ich in der Schweiz angekommen bin, habe ich niemanden gekannt», sagt Saime Zamur. Dank des Refugiums hat sie viele Menschen kennengelernt und konnte ihre Sprachkenntnisse schnell verbessern.
Grenzziehungsproblem
Die Flüchtlingstage Aargau 2024 stehen unter dem Motto: «Kind sein dürfen, auch nach der Flucht. Alle Kinder haben die Gleichen Rechte»
In mehreren Regionen im Aargau finden Anlässe statt, die auf die verschiedenen Aspekte der Aufnahme und Integration von geflüchteten Kindern hinweisen. Zudem erhalten Interessierte Informationen zu den verschiedenen Formen des zivilgesellschaftlichen Engagements im Asylbereich
Jessica Volmar leitet die Geschäftsstelle des Netzwerks Asyl Aargau und ist für das Refugium-Projekt verantwortlich. «Vor allem für Geflüchtete, die in Kollektivunterkünften leben, fehlt es oft an Raum und Möglichkeiten zur Teilhabe. Das wollten wir mit dem Refugium-Projekt verbessern», sagt die Sozialarbeiterin. Dafür durfte der Verein Netzwerk Asyl auf dem Gelände, wo das neue Stadion entstehen soll, das Refugium-Projekt realisieren. Es wird vom Verein durch Spenden finanziert. «Dieses Projekt steht allen Menschen offen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aufenthaltsstatus», sagt Jessica Volmar. Das Refugium soll ausserdem ein Raum sein, wo Geflüchtete ihre eigenen Projekte und Ideen verwirklichen können.» Auch sie beobachtet den in den letzten Jahren in Europa entstandenen Rassismus. Dieser habe zu immer schlechteren Einstellungen gegenüber Geflüchteten geführt. «Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um ein Einwanderungsproblem, sondern um ein Grenzziehungsproblem.» Das Problem entstehe dann, wenn Europa und die Schweiz Menschen in rassistischen und ausgrenzenden Strukturen gefangen hielten, Menschenrechte verletzten und zur Isolation ermutigten. Leider verschlechtere sich diese Situation seit Jahren immer mehr. Jessica Volmar schlägt vor, Strukturen zu schaffen, in welchen Migrantinnen und Migranten am Arbeitsmarkt und am sozialen und kulturellen Leben in der Schweiz teilhaben können.
Ein weiterer Stammgast des Refugiums ist Alem Grimation, der aus Eritrea stammt. Er lebt seit zwei Jahren in der Schweiz und ist immer noch in einem laufenden Asylverfahren. Mit der Niederlassungsbewilligung N sind seine Arbeitsbedingungen sehr schlecht. «Wir brauchen Orte wie das Refugium. Hier nutze ich meine Zeit richtig und lerne etwas», sagt Alem Grimation.