Abtei Saint-Maurice lässt Missbrauch aufarbeiten

Die Walliser Abtei Saint-Maurice teilt in einer Medienmitteilung mit, dass sie den Generalstaatsanwalt des Kantons Neuenburg, Pierre Aubert, damit beauftragt habe, eine unabhängige Untersuchungsgruppe einzusetzen. Diese soll die mutmasslichen Fälle von sexuellem Missbrauch aufarbeiten. Die Untersuchung der Missbrauchsfälle soll die letzten Jahrzehnte abdecken. Sie soll nach rechtlichen und historischen Kriterien geschehen. Die Arbeitsgruppe unter Pierre Aubert werde über «uneingeschränkten Zugang zu den Archiven der Institution erhalten und ebenso zu Zeugenaussagen sowohl der Chorherren als auch der Opfer, die sich bei dieser Gelegenheit zu Wort melden möchten», versichert die Abtei. Gleichzeitig betont sie, dass diese Aufarbeitung keine Untersuchung durch die Justiz ersetze. Pierre Aubert handle in dieser Arbeitsgruppe als Experte, nicht als Richter. Aubert hat sich gemäss Mitteilung bereits die Unterstützung durch die Abteilung für Zeitgeschichte der Universität Freiburg geholt. Diese habe bereits bemerkenswerte wissenschaftliche Studien zum Thema Missbrauch realisiert und die Forschenden dieser Uni-Abteilung werden laut Mitteilung den Grossteil der Archivarbeit übernehmen. Die Abtei Saint-Maurice hofft, dass mit dieser Aufarbeitung Vorwürfe gegen sie aufgeklärt würden. Ziel des Vorgehens sei, jeden einzelnen Fall zu klären, die Wahrheit herauszufinden und eine «angemessene Anerkennung der Opfer» zu erreichen. Falls bei der Aufarbeitung noch nicht verjährte und noch nicht abgeurteilte Straftaten entdeckt würden, würden diese – auf ausdrücklichen Wunsch der Verantwortlichen der Abtei hin – bei der Justiz angezeigt, versichert die Abtei.